Historisches zur Gründerfamilie der Stiftung

Else Hans widmete ihrem Mann Carl Hans jun., in Dankbarkeit für seine Verdienste um die Oberwiehler Kunstwollfabrik C. Hans und Co.KG., zum 75-jährigen Dienstjubiläum, ein Jubiläumsbildband:

Im Wiehltal, eingebettet in Wälder und Wiesen, liegt Oberwiehl, ein kleiner Ort, der heute ein Teil der Stadt Wiehl im Oberbergischen Kreis ist.

Hier befand sich die von Carl Hans sen. am 1. Oktober 1899 gegründete Oberwiehler Kunstwollfabrik.

Carl Hans sen. Gründer des Werkes um 1900

Der Gründer des Werkes wurde am 30. Oktober 1861 als Sohn eines Bauern in Hömel, bei Dieringhausen, geboren. Nach Absolvierung der Volksschule trat er als Lehrling in eine Textilfabrik an der Agger ein. Nach beendeter Lehre vertiefte er seine Kennnisse in verschiedenen Spinnereien im Oberbergischen Kreis, bis er schließlich zum tüchtigen Werkmeister und später zum erfolgreichen Betriebsleiter avancierte. 1895 heiratete der Seniorchef seine Frau Anna, geborene Bohle, die ihm drei Kinder schenkte, einen Sohn und zwei Töchter. Durch diese Verbindung wurde es u.a. Carl Hans sen. möglich, seinen lange gehegten Wunsch, sich selbstständig zu machen, in die Tat umzusetzen. Am 1. Oktober 1899 kaufte er das Anwesen, auf dem die Oberwiehler Kunstwollfabrik errichtet wurde.

Es wäre noch zu erwähnen, dass bis zu diesem Zeitpunkt auf dem Gelände ein Puddelwerk betrieben wurde, d.h. hier wurde Eisenerz aus dem Siegerland durch die Energie der Ruhrkohle zu Stahl verarbeitet. Dieser Betrieb stellte aber 1896 seine Tätigkeit ein, da die Fabrikation nicht mehr rentabel war.

Hier sah der Gründer unseres Werkes durch die Ausnutzung der vorhandenen Wasserkraft, ein Wasserrad war damals vorhanden, eine gute Chance, Rohstoffe für Streichgarne und Vigognegarne herzustellen. Er kaufte Reißmaschinen, deren Fabrikation darin bestand, dass sie alte und neue Hadern aufbereiteten und zum spinnfähigen Material machten.

Carl Hans jun. und seine beiden Schwestern um 1915
Carl Hans sen. und Frau Anna, geb. Bohle – Hochzeitsbild 1895

Die Gründung erfolgte zusammen mit einem alten Geschäftsfreund, Karl Schmidt aus Grünberg in Schlesien; dieser schied aber nach einigen Jahren wieder aus. Unter unsäglichen Mühen und mit unbeschreiblichem Fleiß wurden damals die ersten Aufträge für die benachbarten Spinnereien ausgeführt. Seine Erfolge ermutigten den Seniorchef, blad eine Dampfmaschine aufzustellen, die durch einen Generator elektrischen Strom erzeugte zum Antrieb der vorhandenen Maschinen und zum Färben des Spinnmaterials.

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass damals sämtliche Werkzeuge, die zum Aufbau des Betriebes benötigt wurden, alle Rohstoffe und schließlich die Fertigwaren, in den ersten Jahre nach der Gründung der Fabrik bis zu 20km mit Pferdefuhrwerken heran- und fortgeschafft werden mussten.

Als dann 1906 die königliche Eisenbahn durch das Wiehltal gebaut wurde, war die Möglichkeit der Verbindung zu einem größeren Kundenkreis gegeben. Durch den Bau eines Elektrizitätswerkes im Kreise Gummersbach 1908 und die Einrichtung einer Hochspannungszentrale im Werk, boten sich erst recht die Chancen zur Expansion des Betriebes. Diese Zentrale hat außerdem manche Höfe und Dörfer im Umkreis jahrzehntelang mit Strom versorgt.

Im ersten Jahrzehnt nach der Gründung wurde unermüdlich gebaut, weil der vorhandene Raum zur Fabrikation der inzwischen gefragten Rohstoffe nicht ausreichte. Hierbei wurden Mittel und Wege ersonnen, diese Rohstoffe bis zu einer damals kaum bekannten Reinheit und Spinnfähigkeit zu entwickeln. Als dann 1910 ein neuer großer Dampfkessel zur Erweiterung einer leistungsfähigen Färberei errichtet wurde, hatte die Firma die Kapazität erreicht, nicht nur Kunden im Kreis, sondern in vielen anderen Provinzen Deutschlands und in anderen Ländern Europas zu werben.

Firmenansicht um 1912

Es war ein langer und mühsamer Weg bis sich die Reißwolle, sprich Kunstwolle, ihren Markt eroberte. Die damaligen Streichgarnspinner waren recht skeptisch bezüglich der Qualität dieses Rohstoffes und entschlossen sich nur zögernd, neben der reichen Schafwolle auch Reißwolle einzusetzen.

Als dann im Zuge der Betriebserweiterung auch noch die Carbonisiererei angegliedert wurde, war es möglich, reinwollene Spinnstoffe herzustellen. Der Arbeitsgang war folgender: durch Salzsäuredämpfe wurden wollene, sortierte, alte und neue gestrickte hadern von Baumwollnähten und Baumwollzusätzen befreit und zurück blieb ein reines Wollmaterial von ausgezeichneter Qualität, das wesentlich billiger angeboten werden konnte als reine Schurwolle.

Wir erinnern uns noch an eine Begebenheit, die der Seniorchef einmal in diesem Zusammenhang erzählte, nämlich, dass ein bedeutender Wollhändler die hochwertige und gefärbte Reißwolle nachts bei uns abholen ließ. Er sagte, er wolle einmal versuchsweise diese Reißwolle zu seinen Wollpartien zumischen, um seine Ware billiger anbieten zu können aber er wolle ja nicht in Verruf kommen, Wollgarne geringwertiger zu machen.

Die Erfahrung lehrte aber dann sehr bald auch diese Fachleute, dass es sich bei der Reißwolle und später auch bei der Reißbaumwolle um hochwertiges Material handelte und die Nachfrage wurde immer größer.

Es gab auch Rückschläge auf dem Weg zum Erfolg. Im Jahr 1911 brannte ein Teil der Fabrik ab und man brauchte einige Jahre, um alles wieder aufzubauen.

Dann kam der erste Weltkrieg. Er brachte zwangsläufig durch die Isolierung Deutschlands von den internationalen Wollmärkten, einen einmaligen Aufschwung für die Verarbeitung von Hadern zu Spinnstoffen. In dieser Zeit, etwa gegen 1917, wurden einige Streichgarnspinner aus dem Aggertal von uns beauftragt, aus unseren Reißwollen farbige Web- und Strickgarne im Lohn herzustellen. Durch den erfolgreichen Absatz dieser Ware erschloss sich ein neuer Kundenkreis, der den weitsichtigen Chef auf den Gedanken brachte, 1920 selbst eine hochmoderne Streichgarnspinnerei aufzubauen.

Firmenansicht um 1930

Er wurde hierzu besonders ermutigt, da sein Sohn, Carl Hans jun., geboren am 22. August 1898, schon in frühen Jahren überdurchschnittliches Interesse für die Entwicklung des Betriebes zeigt. Mit 17 Jahren musste er die Geschäfte der Firma zeitweise verantwortlich leiten, währenddessen der Vater im Ausland weilte, um Rohstoffe aufzutreiben. In dieser Zeit wurde dem jungen Mann große Verantwortung aufgetragen. Die Erfahrungen und Pflichten durch diese Tätigkeit vermittelten dem Juniorchef enorme kaufmännische und fachliche Kenntnisse, die ihn für sein späteres erfolgreiches Wirken in Oberwiehl qualifizierten und prägten.

1932 heiratete die älteste Tochter, Grete Hans, der Syndikus, Dr. rer. Pol. G.A. Walter, der als zweiter Geschäftsführer und Mitinhaber in die Firma eintrat. Um diese Zeit wurde das bis dahin bestehende Einzelunternehmen in eine Familienaktiengesellschaft umgewandelt. Mit Hilfe von bewährten Mitarbeitern konnte sich der Betrieb auch während der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre erfolgreich behaupten. Durch die Anschaffung neuer Maschinen war es nur möglich, einem größeren Kundenkreis in seinen Wünschen gerecht zu werden und neue Märkte zu erschließen.

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges brachte eine ganz neue Situation in unserer Branche. Die staatlich gelenkte Kontingentierung der Rohstoffe erforderte eine Herstellung von Spinnstoffen und Streichgarnen, fast bis zu genormten Qualitäten.

Zu dieser Zeit kam auch erstmalig die künstliche Faser auf den Markt, die den Engpass auf dem Rohstoffsektor beseitigte. Namhafte Firmen der deutschen chemischen Industrie hatten diese Faser in den 30er Jahren erfolgreich entwickelt. Die Möglichkeiten der Verarbeitung dieses Spinnstoffes waren vielfältig und umfassend.

Im letzten Kriegsjahr, 1945, wurde der Betrieb durch Bombentreffer erheblich beschädigt, einer unserer fähigsten Meister kam bei diesem Angriff zu Tode und ein Gebäude war ganz zerstört, so dass der Betrieb nach Kriegsende eine Weile seine Fabrikation einstellen musste.

Zu dieser Zeit war es besonders der Energie und Initiative unseres Juniorchefs zu verdanken, dass der Betrieb in kürzester Zeit wieder anlief. Er sammelte die verbliebene kleine Schar von Mitarbeitern um sich und ermutigte zum Wiederaufbau. Die Dächer sämtlicher Gebäude mussten erneuert werden und das war zu damaliger Zeit, durch die Schwierigkeit der Materialbeschaffung bedingt, eine schwere Aufgabe. Alle Maschinen, die durch die Witterungseinflüsse natürlich merklich gelitten hatten, mussten überholt und repariert werden.

Als dann aber gegen Anfang des Jahres 1946 die ersten Reißmaschinen, Droussetten und Spinnmaschinen wieder anliefen, war eine große Arbeit geleistet. Schwierigkeiten machte in dieser Zeit auch die Beschaffung der Rohstoffe. Aber auch diesen Engpass wusste Carl Hans jun. mit Einfallsreichtum und Geschick zu überwinden. In der Zeit vor der Währungsreform wurden u.a. alte Webstühle wieder in Gang gebracht und vorübergehend unsere eigenen Garne zu recht schönen Stoffen verwebt.

Am 22. August 1947 heiratete Carl Hans jun. die Apothekerin Else Weller. Sie ist die heutige Inhaberin des Werkes.

Am 20. März 1949 verstarb unser hochverehrter Seniorchef Carl Hans sen. im Alter von 87 Jahren. Er hat den Wiederaufbau und die Erweiterung seines Werkes noch miterleben dürfen.

Dr. Walter, Frau Carl Hans sen. und Carl Hans jun. mit Angestellten der Firma

Anfang der 50er Jahre wurde für langjährige Mitarbeiter erst eine Unterstützungskasse und später eine Pensionskasse eingerichtet.

1954 schied Herr Dr. G. A. Walter aus gesundheitlichen Gründen aus der Aktiengesellschaft aus. Carl Hans jun. übernahm daraufhin sämtliche Aktien der Familie. Ein Jahr später erfolgte die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft, unter der Leitung von Carl Hans jun. als Komplementär.

Bedingt durch den großen Nachholbedarf an Textilien bei der Bevölkerung, begann nun ein Aufschwung und eine Ausdehnung unseres Werkes in einem unvorstellbaren Ausmaß. Unsere Produktion verdreifachte ihre Leistung innerhalb von zwei Jahren, um der Nachfolge überhaupt Rechnung tragen zu können. Allein durch den Kauf einer Streichgarnspinnerei mit einem großen Maschinenpark und die Pachtung eines weiteren Betriebes war es möglich, alle vorliegenden Aufträge auszuführen. Die gesamten Rohstoffe für die Weiterverarbeitung in diesen Betrieben wurden in Oberwiehl vorgefertigt.

Als dann aber in den Jahren 1959 bis 1960 die bekannte internationale Krise auf dem Textilsektor auch uns zu schaffen machte, erkannte Carl Hans jun. diese Situation mit kaufmännischem Weitblick und zog seine Folgerungen hieraus. Die beiden anderen Betriebe wurden aufgegeben und die besten Maschinen nach Oberwiehl verlagert.

In den 60er Jahren wurden immer höhere Ansprüche an die Qualität von feinen Streichgarnen gestellt, so dass die Verarbeitung von Reißwollen bzw. Reißbaumwollen, bedingt durch die wesentlich erhöhten Löhne, nicht mehr interessant war. Die Reißwollfabrikation wurde stillgelegt. Nun kam uns die Entwicklung der synthetischen Faser sehr gelegen, und wir versprachen uns durch die Aufnahme von Polyacryl- und Polyesterfaser zur Verarbeitung eine große Bereicherung unseres Fabrikationsprogrammes.

Carl Hans jun. hat die Entwicklung dieser Umstellung noch mitgeplant, bis dann am 28. Mai 1965 der Tod ihn plötzlich aus seinem erfolgreichen Schaffen riss.

Frau Else Hans, die Gattin des Verstorbenen, fühlte sich den Mitarbeitern gegenüber verantwortlich und dem Namen Hans verpflichtet, das Werk weiterzuführen. Die Entwicklung des Betriebes und sein Fortbestand war nur durch die verantwortliche Arbeit eines Kreises von altbewährten und qualifizierten Mitarbeitern möglich. Der Prokurist, Herr Walter Kurz, übernahm die Leitung des Werkes. Sein großes fachliches Wissen und seine langjährige Tätigkeit im Betrieb, er feierte 1973 sein 50-jähriges Berufsjubiläum, sicherten der Firma einen weiteren Erfolg in der Branche.

Frau Else Hans und Herr Kurz

Auch nach seiner Pensionierung steht Herr Kurz der Firma weiter beratend zur Seite. Mit der Leitung des Betriebes ist heute weitgehend unser Herr Friedhelm Lauff beauftragt, der seine Ausbildung noch von Herrn Carl Hans jun. erhielt und der in fast 25 Jahren zum befähigten Mitarbeiter mit einem versierten Wissen avancierte.

Die Ansprüche der umfangreichen Webereikundschaft und die jährlich steigenden Lohnkosten machten es notwendig, in den letzten Jahren, große Investitionen vorzunehmen; neue Maschinen wurden für die Spinnerei, Spulerei und Zwirnerei angeschafft, so dass wir uns heute zu einem der modernsten und konkurrenzfähigsten Unternehmen zählen dürfen.

Unsere Produktion besteht z.Zt. in der Fertigung von Streichgarnen in der Ausspinnung Nm 4/1 bis Nm 16/1, sowohl in glatten, als auch in Flammengarnen, wobei hochwertige synthetische Fasern, wie z.B. Polyacrynitril (Dralon, Dolan), Verwendung finden. Gezwirnt in den verschiedensten Farbzusammenstellungen bietet sich, insbesondere für den Heimtextilsektor, jede gewünschte Qualität und Farbe an. Unsere Garne werden in Webereien zu Gardinen-, Dekorationsstoffen, Tischdecken, Sets, sowie Möbelbezugsstoffen und Wandbekleidungen weiterverarbeitet.

Durch die umfangreiche Farbpalette, sowie durch die Verzwirnung gröberer und feinerer Garne, ergeben sich Strukturen, sie sich zur Herstellung von interessanten Geweben eignen. Moderne und leistungsfähige Webereien zählen zu unseren Kunden.

Dank gilt heute allen, die mitgeholfen haben am Aufbau und Fortbestandes unseres Betriebes in den vergangenen 75 Jahren.

Hoffen wir, dass die Oberwiehler Kunstwollfabrik auch in Zukunft weiter erfolgreich schaffen kann, zum Wohle aller, die ihre Tätigkeit hier haben und ihre Pflicht täglich aufs Neue erfüllen.

Else Hans zum 75-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1974.

Anmerkung: In den 1980er Jahren werden die Oberwiehler Kunstwollfabrik Hans und das Eisenwerk Grümer stillgelegt und vorläufig für andere Zwecke genutzt. Die entstandene Industriebrache wird später durch die von der Bergischen Achsenfabrik gemeinsam mit der Stadt Wiehl getragene Oberwiehler Gewerbepark GmbH (OWG) revitalisiert und einer gemischten Dienstleistungs- und Wohnnutzung zugeführt (Wohnen am See). Quelle: wikipedia

Fabrikansicht 1974